Standortstudie bestätigt Investitionsbedarf

Die wirtschaftlichen Stärken und Schwächen der Bundesländer Steiermark und Kärnten wurden jetzt durch eine von der Wirtschaftskammer beauftragte Standortstudie - "Zukunft Wirtschaftsraum Südösterreich" - erhoben und analysiert. Die Herausforderungen für die Zukunft sind besonders im Bereich der Demographie und der Infrastruktur laut dieser Standortstudie enorm. Mit dem Jahrhundertprojekt "Koralmbahn" werden sich jedoch am Ende dieses Jahrzehnts neue Chancen und Möglichkeiten für die Bundesländer Steiermark und Kärnten ergeben. Die gemeinsamen Entwicklungspotentiale der Bundesländer gilt es nun zu bestimmen und bestmöglich für die Zukunft zu nutzen. Denn laut dem Papier liegt hier der Schlüssel in der Stärkung der überregionalen Vernetzungen und Kooperationen und in einer Fokussierung auf die interregionale Dimension von Forschungs- und Innovationspolitik.


Jahrzehntelang galten die Bundesländer Steiermark und Kärnten als Randlagen Österreichs. Die lange Zeit eingeschränkte Erreichbarkeit zum großen süddeutschen Wirtschaftsraum, aber auch der fehlende große Absatzmarkt haben zu dieser Lage geführt. Die Erweiterung der Europäischen Union und die Öffnung neuer Märkte haben der Steiermark und Kärnten jedoch neue Potentiale eröffnet und für Wachstum und Wohlstand gesorgt. So ist die Region heute extrem exportorientiert. 20,7%, also rund ein Fünftel der österreichischen Exporte entfallen auf die beiden Bundesländer Kärnten und Steiermark. Dennoch schneidet der Süden Österreichs immer noch in puncto Infrastruktur gemäß dem regionalen Wettbewerbsindex der Europäischen Kommission bei weitem am schlechtesten in allen Kategorien des Index ab - insbesondere im Bereich der Schiene.

Südösterreich zählt zu den Hochentwickelten Europäischen Industrieregionen, entsprechend hoch ist die internationale Ausrichtung der heimischen Unternehmen bzw. der Industrie, laut der Analyse der WKO. Die Region ist hochgradig exportorientiert, 20,7 %, also rund ein Fünftel, der österreichischen Exporte und rd. 16,8 % der Importe entfallen auf die beiden Bundesländer Kärnten und Steiermark, im Vergleich zur Wirtschaftsleistung ist dies ein klar überdurchschnittlicher Wert – 18,2 % der österreichischen Bruttowertschöpfung entfallen auf Südösterreich. Graphik:© Joanneum Reserch Policies, WKO Steiermark und Universität Graz. - Zukunft Wirtschaftsraum Südösterreich


Herausforderung demographischer Wandel


Der Süden Österreichs sieht sich seit Jahren außerhalb der erweiterten Zentralräume mit einem "Brain-Drain" junger, gut ausgebildeter Menschen konfrontiert. Dieses Humankapital fehlt und wird zunehmend zur Bewährungsprobe für die Wirtschaft in der gesamten Region. Schon heute sind die freien Erwerbspotenziale weitgehend ausgeschöpft und die Möglichkeit Beschäftigte aus Slowenien, Ungarn und Kroatien zu gewinnen wird durch die gestiegenen Löhne in diesen Ländern zunehmend abnehmen. Generell sind die demografischen Prognosen für Südösterreich die schlechtesten innerhalb Österreichs. Das Arbeitskräftepotential wird sich in den kommenden Jahrzehnten stark verringern: in Kärnten bis 2040 um 10,1% und in der Steiermark um 9,5%. Es ist daher notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, um der Abwanderung entgegenzusteuern und (hoch)qualifizierte Arbeitskräfte aus den umliegenden Regionen bzw. aus dem benachbarten Ausland nach Südösterreich zu holen.


Handlungsempfehlungen:


  • qualifizierten Zuzug attraktiveren

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf sichern

  • Ausbau des "Erfolgsbeispiels FH", die regionalen Firmen einbinden

  • Duale Ausbildung stärken etc.


Forschungs- und Entwicklungsregion


In der Vergangenheit haben sich die zwei südlichen Bundesländer durch höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Richtung einer Forschungs- und Innovationsregion entwickelt. Allein in der Steiermark sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung mit 5,2% gemessen am Bruttoregionalprodukt deutlich höher als in Wien (3,6%) und in Oberösterreich (3,5%). Davon hat der Wirtschaftsstandort enorm profitiert.

Ausgaben für Forschung und Entwicklung je nach Bundesland. Graphik: © Joanneum Reserch Policies, WKO Steiermark und Universität Graz. - Zukunft Wirtschaftsraum Südösterreich


Schon heute sind die wissens- und technologieintensiven Branchen ein zentraler Treiber des notwendigen strukturellen Wandels und eine wesentliche Stütze für die Wettbewerbsfähigkeit der Region. Auch junge und (potenziell) schnellwachsende Unternehmen spielen eine entscheidende Rolle für die langfristige Wirtschaftsentwicklung. Hier verfügt der südösterreichische Raum über eine starke Ausgangsposition, deshalb braucht es auch eine stärkere Fokussierung auf Entrepreneurship Education, aber auch eine noch stärkere Kooperation im Bereich der Bildung und Forschung.


Handlungsempfehlungen:


  • technisch-naturwissenschaftliche Fähigkeiten stärken

  • Ausbildungsschwerpunkte MINT und Entrepreneurship

  • Vernetzung gezielt fördern

  • südösterreichische Fachkräftestrategie

  • Zusammenarbeit im F&E-Bereich

  • Bestehende Initiativen forcieren und stärken



Infrastrukturstandort


Leistungsfähige Infrastrukturen im Verkehrs-, Telekom- und Energiebereich sind bedeutende Eckpfeiler von erfolgreichen Wirtschaftsstandorten. Neben dem Ausbau in die Glasfaserinfrastruktur, braucht es für den ländlichen Raum vor allem eine nachhaltige Verbesserung der öffentlichen Erreichbarkeit. Laut Standortstudie werden folgende Maßnahmen als unabdingbar angesehen:

  • die Verknüpfung von der Koralmbahn zum Regionalverkehr

  • Schienenausbau der Pyhrn-Schober-Achse mit einem Neubau des Bosruck-Tunnels

  • Neuplanung der Schiene im Abschnitt Graz-Bruck/Mur

  • Dreispuriger Ausbau der A 9 südlich von Graz.

  • Weiterentwicklung des Cargo Centers Graz


Chancen nutzen



Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Koralmbahn - wir drei Nationalräte aus der Steiermark und Kärnten- Abg. z. NR Peter Weidinger, Abg. z. NR Johann Weber und ich - haben diese Gemeinschaft im Nationalrat gegründet, um die Kooperation zwischen unseren Regionen zu vertiefen und die Chancen des Jahrhundertprojekts Koralmbahn bestmöglich zu nutzen!


Der Bau der Koralmbahn gilt es als Jahrhundertchance für den Süden Österreichs zu begreifen. Die neuen Potentiale für die Steiermark und Kärnten müssen deshalb bestmöglich genutzt werden, dafür müssen wir auch die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Viele Maßnahmen werden nun auch schon von Seiten des Bundes in die Wege geleitetet, wie z.B. die Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte zur Attraktivierung qualifizierter Einwanderung, um das Problem des Arbeitskräftemangels zu lösen. Im Bereich des öffentlichen Verkehrs geht die Region Südweststeiermark mit dem Mikro-ÖV für eine bessere Erreichbarkeit im ländlichen Raum voran. Auch mit neuen Bildungsangeboten wie der Etablierung einer neuen FH-Ausbildung werden neue Schritte in der Region Südweststeiermark gesetzt. Mit dieser Standortanalyse werden die Herausfordergen und die notwendigen Schritte für die Zukunft, aber auch die richtigen Erfolgsmaßnahmen der Vergangenheit aufgezeigt. Investitionen wie der Ausbau der A 9 südlich von Graz müssen weiter forciert werden. Aber auch die Förderung der Kooperation zwischen den beiden Bundesländern, besonders im Bereich der Bildung und Forschung, muss weiter ausgebaut werden. Nutzen wir die Chance mit der Koralmabahn, investieren wir weiterhin erfolgreich in die Zukunft und arbeiten im Sinne der ARGE Koralmbahn zusammen und treten gemeinsam für unsere Interessen als südliches Österreich auf.


Diese umfassende Standortstudie wurde seitens eines wissenschaftlichen Konsortiums - bestehend aus der Joanneum Research, der Uni Graz und dem Institut für Witschafts- und Standortentwicklung - über die vergangenen zwei Jahre durchgeführt. Hier der Link zur Studie.




14 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
  • Instagram
  • Facebook
  • Twitter
Klub_logo.jpg
Parlamentslogo_Neu.png