EISC in Madrid: Europa braucht mehr privaten Mut im Weltraum
Von 20. bis 22. September tagte in Madrid die European Interparliamentary Space Conference (EISC). Als Delegierter der ÖVP im österreichischen Parlament nahm ich an den Beratungen teil. Im spanischen Parlament diskutierten Abgeordnete aus zahlreichen europäischen Staaten gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von ESA, Raumfahrtagenturen, Wissenschaft und Industrie über Europas Zukunft im Weltraum. Im Mittelpunkt standen der autonome Zugang zum All, Sicherheit und Dual Use, Forschung und Innovation sowie die Frage, wie Europa seine technologische und wirtschaftliche Eigenständigkeit stärken kann.

Die diesjährige Weltraumkonferenz fand in Madrid, Spanien statt, wo ich als Delegierter der ÖVP über die Zukunft der Europäischen Raumfahrt sprechen konnte.
Europa investiert wieder stärker in die Raumfahrt. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass öffentliche Investitionen allein nicht ausreichen werden, wenn Europa im Wettbewerb mit den USA und China aufholen will.

Delegationen aus ganz Europa nahmen an der Konferenz teil.

Private Investitionen: Eine verpasste Chance
Gerade beim Thema private Investitionen und private Raumfahrtunternehmen wurde aus meiner Sicht in Madrid eine große Chance vergeben.
Die deutsche Delegation hatte bereits für die Präambel der Resolution einen klaren Ansatz vorgeschlagen:
ENCOURAGING the private sector to engage and invest in space, to help the pioneering start-up-scene in all dimensions of space like access to space, ground infrastructure, satellites, exploration and all other space-based use cases; Diese deutsche Position habe ich ausdrücklich unterstützt, weil sie sich inhaltlich weitgehend mit meinen eigenen Ergänzungsvorschlägen gedeckt hat. Mein Ziel war, das Thema noch konkreter zu fassen: privates und institutionelles Kapital mobilisieren, den Zugang zu Wachstumsfinanzierung verbessern, Technologietransfer aus Forschungseinrichtungen in die Wirtschaft erleichtern und bessere Rahmenbedingungen für Start-ups, Scale-ups und KMU schaffen.
Die spanische Präsidentschaft griff diesen Ansatz auf und schlug vor, ihn in die gemeinsame Resolution aufzunehmen. Nach meiner Wahrnehmung gab es dafür in der Runde zunächst Zustimmung. Die Aufnahme scheiterte schließlich am österreichischen Delegationsleiter Gerhard Deimek (FPÖ), der sich als Einziger dagegen aussprach.
Das war deshalb entscheidend, weil EISC-Resolutionen einstimmig von den anwesenden Vollmitgliedern beschlossen werden müssen.

Kollegin Elisabeth Götze (Die Grünen) und Kollegin Martina Künsberg Sarre (NEOS) unterstützen meinen Vorschlag die Europäische Raumfahrt zu stärken.
Für mich bleibt deshalb ein schaler Nachgeschmack. Nachhaltigkeit, verantwortungsvolle Nutzung des Weltraums und internationale Regeln sind wichtige Themen. Aber Europa steht gleichzeitig in einem massiven technologischen und wirtschaftlichen Wettbewerb. Ohne privates Kapital werden wir keine europäische Aufholjagd starten.

Diese Überzeugung ist für mich nicht nur theoretisch. Im Sommer konnte ich in Cape Canaveral in Florida selbst einen Starlink-Start von SpaceX erleben. Dort sieht man sehr unmittelbar, welche Dynamik entstehen kann, wenn technologische Entwicklung, Unternehmertum und privates Kapital zusammenspielen. Europa muss daraus seine eigenen Schlüsse ziehen – nicht durch Kopieren amerikanischer Modelle, sondern durch bessere Bedingungen für europäische Unternehmen.

Space X - Station in Florida, USA
Europa hat Qualität - aber wir müssen skalieren
Der Österreicher Josef Aschbacher, Generaldirektor der ESA, stellte in Madrid Europas Stärken und Schwächen gegenüber. Sein Vortrag stand unter dem Titel „The New Space Age: Europe at a Crossroads“.

Die österreichische Delegation gemeinsam mit dem Österreicher und Generaldirektor der ESA, Josef Aschbacher.
Europa verfügt über hervorragende Wissenschaft, hohe technologische Qualität und große Kompetenz etwa bei Erdbeobachtung und Weltraumforschung. Gleichzeitig bestehen quantitative Defizite, unter anderem bei Satelliten und beim eigenständigen Zugang zum Weltraum.
Gerade bei den Trägersystemen braucht Europa den nächsten Entwicklungsschritt. Nach Ariane 6 müssen wiederverwendbare Systeme folgen, die kostengünstiger betrieben und schneller wieder eingesetzt werden können. Dazu braucht es Startmöglichkeiten in Europa und vor allem eine stärkere gemeinsame europäische Strategie statt vieler nationaler Einzelwege.
Eindrucks- voller Besuch bei AIRBUS
Ein Höhepunkt der Konferenz war der technische Besuch bei Airbus in Getafe. Die Dimension des Werkes, die Qualität und Präzision der Fertigung sowie die Professionalität einer derart komplexen Produktion waren beeindruckend.

Auch die zahlreichen Fachpanels zeigten die Dynamik der europäischen Space Economy. Besonders deutlich wurde dabei die Bedeutung von Dual Use: Zivile Anwendungen und Fähigkeiten für Sicherheit und Verteidigung ergänzen einander. Sichere Kommunikation, Erdbeobachtung, Navigation oder Satellitentechnologien können beiden Bereichen dienen und damit auch den industriellen Hochlauf beschleunigen.
Space Debate Europe
Unmittelbar nach Abschluss der EISC begann am Nachmittag des 22. September im Palacio de Linares in Madrid noch die erste Space Debate Europe. Die Veranstaltung brachte Akteure aus Raumfahrt, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen und setzte die Debatte über Europas technologische Souveränität fort.
Auf dem Programm standen unter anderem Josef Aschbacher von der ESA, Juan Carlos Cortés von der spanischen Raumfahrtagentur und Hermann Ludwig Moeller vom European Space Policy Institute. Thematisch ging es unter anderem um europäische Souveränität und die Frage, wie Europa seine Position im internationalen Wettbewerb behaupten kann.
Die Veranstaltung knüpfte damit unmittelbar an eine der zentralen Fragen der EISC an: Wie schaffen wir es, aus Europas wissenschaftlicher und technologischer Stärke auch wirtschaftliche Stärke zu machen?
Mein Resümee aus Madrid

Erstens: Die nationale österreichische parlamentarische Delegation muss sich vor solchen Konferenzen besser abstimmen. Gerade wenn Einstimmigkeit erforderlich ist, braucht es eine klare gemeinsame Linie.
Zweitens: Europa braucht weniger nationale Einzelwege und mehr gemeinsame Projekte. Kein europäisches Land wird den internationalen Wettbewerb im Weltraum alleine bestehen.
Drittens: Wir müssen Raumfahrt stärker als Wirtschafts- und Standortthema verstehen. Europa besitzt Forschung, Ingenieurskunst und hervorragende Unternehmen. Entscheidend ist aber, ob daraus auch große, international erfolgreiche europäische Unternehmen entstehen können.
Positiv stimmt der Blick auf die kommenden EISC-Präsidentschaften. Deutschland soll 2027 übernehmen, für 2028 ist Finnland vorgesehen. Beide Delegationen haben in Madrid deutlich gemacht, dass die wirtschaftliche Dimension und der private Markt künftig stärker in den Fokus rücken sollen.
Europa hat im Weltraum enormes Potenzial. Jetzt müssen wir auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, damit dieses Potenzial genutzt werden kann.



Kommentare