Erste Durchfahrt durch den Semmering - ab 2029 rollen die Züge!
- Joachim Schnabel
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Noch fahren hier keine Züge. Doch in drei Jahren werden täglich Tausende Menschen mit bis zu 230 km/h durch den Semmering-Basistunnel reisen. Was heute noch wie eine gigantische Baustelle wirkt, wird ab 2029 das Rückgrat der Südstrecke bilden.

Die erste offizielle Durchfahrt erfolgte mit BM Hanke gemeinsam mit den Verkehrssprechern aller Fraktionen sowie mit der 3. NR-Präsidentin Doris Bures. Hier in diesem Bereich soll sich in Zukunft eine Nothaltestelle befinden.
Der Tunnel ist notwendig
Seit 2012 wird an diesem über 27 km langen Eisenbahntunnel zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag gegraben und gebaut und soll in Zukunft die im Jahre 1854 von Carl von Ghega geplante Semmeringbahn als Eisenbahnstrecke für den Fernverkehr auf der Südstrecke ablösen. Detaillierte Planungen für einen notwendigen Tunnelbau reichten weit in die 1980er-Jahre zurück, denn schon damals war die einstündige Fahrt zwischen Wiener Neustadt und Mürzzuschlag gegenüber der Straße nicht mehr konkurrenzfähig. Auch für den Güterverkehr war hier eine Lösung notwendig, denn aufgrund des eingeschränkten Lichtraumprofils in den Tunneln ist kombinierter Güterverkehr auf dieser Strecke bis heute nicht möglich. Auch die Bogenradien sind auf der alten Strecke über den Semmering zu gering und lassen deshalb nur geringe Fahrgeschwindigkeiten zu. Mit dem Tunnel wird sich daher die Fahrzeit um ganze 30 Minuten verkürzen – ein großer Fortschritt für die Bahn auf der Südstrecke.

Herbst 2025. Wenige Monate später sieht es hier ganz anders aus.
Der lange Weg bis zum Durchschlag der Röhren
Lange wurde die passende Trasse durch den Berg erkundet, wobei auch Rückschläge wie der Wassereinbruch im Jahr 1996 beim Erkundungsstollen sowie die vielen Einwände gewisser Gruppen zu langen Diskussionen über dieses notwendige Projekt führten. Aber die Steiermark unter Landeshauptfrau Waltraud Klasnic kämpfte – wie auch bei der Koralmbahn – erfolgreich und energisch für dieses notwendige Infrastrukturprojekt, sodass 2012 schließlich der Spatenstich erfolgen konnte.

Schon im Vorjahr haben wir uns die große Baustelle besichtigt. Eine Durchfahrt war damals noch nicht möglich. Der Bau und insbesondere die Bohrungen durch den Berg waren sehr komplex und dauerten länger als geplant. Aber dank österreichischer und europäischer Technik sowie der großartigen Leistung der ÖBB-Infrastruktur AG konnten auch Hindernisse wie der Grasberg auf niederösterreichischer Seite bei Gloggnitz durchbohrt werden. Allein dessen Durchquerung dauerte aufgrund des Gesteins ein Jahr. In 365 Tagen schaffte man gerade einmal 80 Meter – und das mit einer Maschine, die eigentlich eine Leistung von 32 Metern pro Tag hat.

Der Durchschlag erfolgte 2024. Jetzt müssen noch wenige hundert Meter finale betoniert werden. Danach können die Kabel sowie das Gleis verlegt werden. Gemeinsam mit BH Hanke und ÖBB-Chef Andreas Matthä.
Die Dimension des Tunnels und der dahinterstehenden Arbeiten lässt sich gut veranschaulichen: Eine Tunnelröhre hat eine Querschnittsfläche von rund 80 Quadratmetern – etwa so groß wie eine Wohnung. Diese Fläche wurde über eine Länge von 27,3 Kilometern quer durch den Berg vorgetrieben. Dabei fielen Ausbruchsmassen in der Größenordnung von rund zwei Cheops-Pyramiden an. Der finale Durchschlag erfolgte 2024 und jetzt konnte im Mai 2026 die erste offizielle Durchfahrt erfolgen. Ein Meilenstein nicht nur für die heimische Eisenbahninfrastruktur, sondern auch auch für den Süden Österreichs.
Die erste offizielle Durchfahrt mit einem Auto. Ab 2029 rollen hier die Züge mit einer Geschwindigkeit bis zu 230km/h.
Ab Ende 2029 geht es los - 40 Minuten Zeitersparnis zwischen Wien und Graz
Vor wenigen Monaten wurde die Koralmbahn offiziell eröffnet. Damit hat für Kärnten und die Steiermark ein neues Zeitalter der Mobilität begonnen, das die Erwartungen bereits jetzt übertroffen hat. Zahlreiche Pendlerinnen und Pendler, aber auch Reisende im Fernverkehr, nutzen die neue Strecke. Mit der Eröffnung des Semmering-Basistunnels Ende 2029 wird die Verbindung zusätzlich an Bedeutung gewinnen.
Die gesamte Südstrecke wird sich – ähnlich wie die Weststrecke – zu einer zentralen Bahnachse Österreichs entwickeln und den Personen- wie auch den Güterverkehr nachhaltig stärken. Damit wird die Bahn als modernes, schnelles und klimafreundliches Verkehrsmittel weiter an Attraktivität gewinnen.


Kommentare