Tirol-Tage des Verkehrsausschusses
- Joachim Schnabel
- 19. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Zwei Tage in Tirol standen ganz im Zeichen zentraler Verkehrsprojekte im Schienen- und Autobahnbereich. Österreich investiert konsequent in den Ausbau seiner Infrastruktur – gleichzeitig ist klar: Eine funktionierende und nachhaltige Verkehrsverlagerung kann nur gelingen, wenn auch unsere Nachbarländer ihren Beitrag leisten.
Mitte April nutzte der Verkehrsausschuss daher die Gelegenheit, sich vor Ort ein umfassendes Bild zu machen: Bei Besuchen der wichtigsten Baustellen in Tirol sowie im Tiroler Landtag standen der Transitverkehr und die Mobilitätswende im Mittelpunkt intensiver Gespräche.
Der Brenner-Basistunnel
Am ersten Tag stand die Besichtigung des Brenner-Basistunnels auf dem Programm – eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Mit einer Länge von rund 55 Kilometern (bzw. 64 km inklusive Zulaufstrecken) wird er die längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt sein und soll 2032 in Betrieb gehen. Der Tunnel wird die Strecke zwischen Innsbruck und Franzensfeste (Südtirol) deutlich verkürzen und vor allem den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern – ein entscheidender Beitrag zur Entlastung des sensiblen Alpenraums.

Nationalräte und Landtagsabgeordnete aus der ÖVP im Brenner-Basis-Tunnel.
Die Luegbrücke wird erneuert Anschließend ging es weiter zur Luegbrücke auf der Brennerautobahn, einer der zentralen Engstellen im alpinen Transitverkehr. Die rund 1,8 Kilometer lange Brücke wurde 1968 fertiggestellt und hat nach Jahrzehnten intensiver Nutzung das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, weshalb sie derzeit umfassend erneuert wird. Seit Anfang 2025 ist sie aus Sicherheitsgründen großteils nur einspurig befahrbar, um das Bauwerk statisch zu entlasten. Gleichzeitig sorgen ein ausgeklügeltes Verkehrsmanagement, temporäre Zweispurigkeit an stark frequentierten Tagen sowie Maßnahmen wie Section Control für mehr Sicherheit und einen möglichst stabilen Verkehrsfluss.

Kontrollstelle zu Beginn der Baustelle
Das Verkehrsmanagement folgt dabei einem klaren Prinzip: Die bestehende Brücke muss entlastet werden, bleibt aber weiterhin in Betrieb. Grundsätzlich wird der Verkehr nur einspurig pro Richtung geführt. An besonders verkehrsstarken Tagen wird jedoch eine temporäre Zweispurigkeit eingerichtet: Schwere Fahrzeuge über 3,5 Tonnen – also Lkw, Busse und Wohnmobile – müssen dann auf die linke, innere Fahrspur wechseln, während Pkw beide Spuren nutzen können. Ergänzt wird dieses System durch einen Fahrkalender, Echtzeitinformationen und dynamische Beschilderung. Ziel ist es, den Verkehrsfluss aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die umliegenden Gemeinden vor Ausweichverkehr zu schützen.

Gemeinsam mit Nationalrätin Margreth Falkner und Nationalrat Klaus Mair sowie Projektleiter Martin Krichmair von der ASFINAG
Die Bedeutung dieser Strecke zeigt sich auch in den Zahlen: Täglich passieren bis zu 30.000 Fahrzeuge die Brennerachse, ein großer Teil davon im internationalen Transitverkehr. Diese enorme Belastung über Jahrzehnte hinweg macht die Erneuerung der Brücke unumgänglich. Der Neubau erfolgt in mehreren Bauphasen direkt neben dem bestehenden Bauwerk, sodass der Verkehr während der gesamten Bauzeit weiterlaufen kann. Nach Fertigstellung wird die alte Brücke schrittweise abgetragen. Damit wird sichergestellt, dass die Brennerachse auch in Zukunft leistungsfähig bleibt und den Anforderungen eines modernen und umweltverträglichen Verkehrs gerecht wird.
Tag 2 im Tiroler Landtag
Gerade am Brenner zeigt sich, welche zentrale Rolle der Transitverkehr für Österreich und ganz Europa spielt. Ein erheblicher Teil des alpenquerenden Güterverkehrs läuft über diese Achse – mit spürbaren Auswirkungen auf Umwelt und Bevölkerung. Umso wichtiger ist es, dass wir einerseits bestehende Infrastruktur wie Brücken konsequent sanieren und andererseits mit Projekten wie dem Brenner-Basistunnel die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene entschlossen vorantreiben.
Am zweiten Tag stand daher der Austausch im Tiroler Landtag im Mittelpunkt. Gemeinsam mit regionalen Entscheidungsträgern haben wir intensiv über die Herausforderungen des Transitverkehrs gesprochen und konkrete nächste Schritte für eine nachhaltige Mobilität diskutiert. Klar ist: Nur mit einem abgestimmten Vorgehen auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene wird es gelingen, den Verkehr effizienter, umweltfreundlicher und zukunftsfit zu gestalten.

Im Austausch mit Florian Riedl, ÖVP-Sprecher für Verkehr im Tiroler Landtag

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